Stürmische Zeiten für den Journalismus. Fake News. Aufstieg von Medienkonzernen, die mehr an Rentabilität interessiert sind, als an der Berichterstattung. Einschränkungen der Pressefreiheit. Digital macht Zeitungen kaputt. Geiz-ist-Geil Mentalität. Mit anderen Worten, es ist nicht die beste Zeit für Zeitungen und den Journalismus. Aber es gibt auch immer wieder Erfolgserlebnisse: bestes Beispiel die Washington Post.

Bei der Washington Post klingelt die Kasse – online

Amazon CEO Jeff Bezoz kaufte am 5. August 2013 die Washington Post für 250 Millionen US-Dollar auf. Trotz weltweiter Medienkrise geht es der Washington seit 2017 wieder richtig gut. Und das obwohl Bezoz einmal äußerte, dass er nichts von Zeitungen verstehe, aber dafür vom Internet. Entsprechend seine Handlung: in redaktionellen Belange griff er nicht ein und engagierte neben Redakteure auch etliche Tech-Experten. Die Rede ist von derzeit 350!

Unter die Lupe wurde vor allem das Online-Leseverhalten genommen. Mit zweierlei Erfolgen! Zum einen konnte die Post einen enormen Zuwachs an digitalen Lesern verzeichnen und zum anderen konnten der Großteil dazu bewegt werden für den Zugriff auf die Webseite zu bezahlen. Nicht anders zu erwarten: Die Expertise daraus vermarktet Bezoz nun erfolgreich an andere Medienunternehmen weiter.

Laut einem Artikel der Süddeutschen Zeitung (Link) stand die Post vor der zukunftsweisenden Entscheidung auf lokaler oder nationaler Ebene weiterzumachen. Bezos entschied sich für die nationale Schiene. Zwar kaufte der Unternehmer die Zeitung mit seinem Privatvermögen, nichtsdestotrotz ist auf Amazons Kindle-Fire Geräten die Post-App bereits schon vorinstalliert. Dennoch: meist ist nicht alles Gold, was glänzt. Beklagt werden die Arbeitsbedingungen unter Bezoz und es stellt sich immer wieder die Frage, wie neutral eine Zeitung gegenüber ihrem Eigentümer sein kann.

Kurz gesagt sieht das Erfolgsmodell der Washington Post wie folgt aus: Redakteure sorgen uneingeschränkt für guten Inhalt – denn das ist was sie am Besten können und vermarktet wird das Ganze durch Tech-Spezialisten, die die Aussage G. Moores befolgen: Ein Unternehmen, welches Daten nicht analysiert ist blind.

Zutaten: Guter Inhalt – Qualifizierte Mitarbeiter – Analyse & Technologien – Internet.

Sind die Tage des “alles kostenlos im Internet” gezählt?

Mit der Digitalisierung können sich immer noch nicht alle anfreunden, besonders nicht traditionelle Unternehmen. Dazu gehört ganz sicher auch die gute alte Zeitung. Zu allem digitalen Übel gesellt sich jetzt auch noch eine weitere Technologie: die Blockchain. An dieser Stelle kommt das Aber: aber mit ihr hört man immer wieder den Begriff ‘Internet of Value’ (Internet der Werte). Die Blockchain-Technologie, die Daten über ein Peer-to-Peer-Netzwerk verteilter Computer teilt (Dezentralisierung), verifiziert und unabänderbar speichert, könnte genutzt werden, um:

  • die Monetarisierung von Inhalten
  • und das Engagement in der Gemeinschaft

neu zu überdenken. Eigenschaften, die dem Journalismus Aufwind verleihen könnten.

In der Ära vom Web 2.0, Social Media und der digitalen Werbung ist die Monetarisierung von Inhalten für viele Redaktionen und Medienunternehmen ein kritisches und dringendes Thema, wollen sie überleben.

Es hat eine Weile gedauert, nachdem die Blockchain dank Bitcoin 2009 die ‘Welt erblickte’, bis sich nun auch Blockchain-Startups, darunter Civil und Po.et, an das Thema Journalismus heranwagen. Das neue Geschäftsmodell, dass für Medienindustrie und Verlage interessant werden könnte ist tokenbasiert, was unter anderem erlaubt, qualitativ hochwertige Inhalte zu incentivieren und zu belohnen.

Ohne Tokens geht nix

Das Thema Token ist eigentlich nochmal ein komplettes Kapitel für sich. In Bezug auf Blockchains gibt es die Begriffe Coins und Tokens. Oftmals werden beide einfachheitshalber gleichgesetzt, aber es gibt Unterschiede. Coins sind eher digitales Geld. Tokens können noch mehr. Sie können für einen bestimmten Service genutzt werden, allein schon, um Zugang zu einem bestimmten Netzwerk zu bekommen oder um Nutzern das Recht zu geben, Arbeit in einem dezentralen Netzwerk zu leisten. Tokens können bestimmte Assets (Vermögen) wiedergeben. Beispiele: eine konkrete Fiat-Währung wie den Euro oder US-Dollar, eine Versicherungspolice, ein Eventticket, Verträge, etc. Sie können unter anderem genutzt werden als: Eigentumsnachweis, Crowdfunding, Software-Lizenz, Freischaltung zu Mietwagen oder anderen Fahrzeugen, Tickets, Derivate, Prämienprogramme, Mitgliedschaften/Abos und als Abstimmungssystem. Das nur einmal zur Verdeutlichung, was das mit den Tokens in Verbindung zu Blockchains ist.

Redaktionen, die zum Beispiel dem Blockchain-Netzwerk Civil beitreten möchten, müssen Geld in Form von letztendlich Kryptowährungen investieren. Der Vorgang wird in diesem Zusammenhang als “Staking” bezeichnet. Dafür bekommen sie die Möglichkeit mit einer eigenen Webseite (meist auch als Newsroom oder Marktplatz bezeichnet) präsent zu sein. Zuvor müssen sich diese allerdings bewerben und definieren, um welche Art von Journalismus es sich handelt.

Teilnehmer des Civil-Blockchain-Netzwerks bekommen Rechte, die sich nach dem  gestaketen Betrag richtet. Bei 10 bis 999 US-Dollar (im Rahmen des Tokensale), können sie für oder gegen einen angefochtetenen Newsroom abstimmen, selbst Civil-Token verdienen, den Lieblingsjournalisten belohnen oder aber schlussendlich Civil-Tokens in Bargeld umtauschen. Ein qualitativ hochwertiger Content soll damit gefördert werden. Ist ein Beitrag unangemessen – Plagiat, Propaganda oder Hassrede –  kann dieser angefochten und durch Abstimmung entfernt werden.

Weiterführende Infos zu Civil gibt es unter: Publizieren im dezentralen Civil-NetzwerkCivil: Nachhaltiger Journalismus mit Blockchain

Bei Po.et werden digitale Werke beim Hochladen in die Blockchain mit einem Zeitstempel, eine Art ‘Authentifizierungsausweis’ versehen, welcher Metadaten wie Zeitpunkt des Uploads und den Autor enthalten. Das kommt vor allem dem Urheberrecht zu Gute. Das Ziel von Po.et ist es, einmal ein komplettes Content-Lizenzierungssystem anzubieten.

Des weiteren hat das typische Merkmal von Blockchains, die Dezentralität, einen weiteren Vorteil: ist einmal etwas in der Blockchain registriert, ist es sozusagen ‘unantastbar’. Ein Server, über welchem Nachrichten zentral laufen, kann dagegen abgeschaltet werden. Politische Zensur wäre daher, bis zum heutigen Wissensstand,  unmöglich.


Your Remaining Votes (within 24hrs) : 10 of 10
6 votes, average: 4.83 out of 56 votes, average: 4.83 out of 56 votes, average: 4.83 out of 56 votes, average: 4.83 out of 56 votes, average: 4.83 out of 5 (6 votes, average: 4.83 out of 5)
You need to be a registered member to rate this.
(89 total tokens earned)
Loading...

Responses

  1. MDMA Tablettenformat

    Da hast du uns einen sehr informativen und gut geschriebenen Artikel geliefert. Was mich aber schon interessieren würde, wäre, wenn mal der Amazon Milliardär wieder einmal eine fette Amazon-Skandal-Lawine lostreten würde, ob dann seine Zeitung auch darüber schreiben dürfte. Aber unabhängige Medien gibt’s sowieso nicht und es hat sie vermutlich nie gegeben. Die Blockchaingeschichte natürlich hat Potenzial in so viele Richtungen, dass wir erst sehen werden, wie sich diese neue Technologie implementieren wird.

    (0)