Wie werden wir künftig zahlen? Haben Kryptowährungen wie Bitcoin und Co. Zukunft? Vielleicht heißt die Glaskugel nach der wir alle suchen Indien. Eigentlich wollte ich nur nach Krypto-News schauen. Dann bin ich aber irgendwie bei folgender Schlagzeile hängen geblieben: Google arbeitet mit Banken zusammen, um digitale Kreditvergabe für Indien einzuführen – ein Bericht von Bloomberg vom 28. August 2018.

Schlagwörter gibt es nicht nur für Suchmaschinen. Nein, ich behaupte auch unser Gehirn arbeitet mit Schlagwörtern: es genügen ein oder ein paar Wörter um Assoziationen hervorzurufen. Im Unterbewußtein archivierte Geschichten werden in die Aktualität zurückgeholt. Bei mir waren es die Schlagwörter Google + Indien.

Indien das Payment-Testland

Indien, das Testland für eine bargeldlose Gesellschaft: einer cashless society, wie es Indiens Premierminister Modi verkündete. Die Bevölkerung wurde dabei vollkommen vor vollendeten Tatsachen gestellt. Das Geschehen in Kürze: Geldscheine wurden plötzlich von der Regierung für wertlos erklärt. Ein Zwangsumtausch in neue Gelscheine wurde angeordnet. Der Geldumtausch musste über ein Bankkonto erfolgen. Im Falle von Schwarzgeld behielt die Regierung einen Großteil ein. Die Verfügbarkeit über eine freie Bargeldsumme wurde extrem eingeschränkt und private Goldkäufe festgehalten.

Des weiteren wurde das Programm Aadhaar (Link zum Nachschlagen bei Wikipedia: Aadhaar) eingeführt: eine persönliche Identifikationsnummer für jeden Bürger Indiens. Dabei geht es um die Erfassung von Namen, Geburtsdatum, Geburtsort sowie biometrische Merkmale wie Fingerabdrücke und Irisscans. Für staatliche Dienstleistungen ist ein Aadhaar-Account Voraussetzung. Mit einer bargeldlosen Gesellschaft auf dem Weg zum gläsernen Bürger?

Aber nun zurück zum erwähnten Artikel von Bloomberg. Darin steht verkürzt in etwa: Alphabet Inc’s Google arbeitet mit vier indischen Banken zusammen, um Verbraucherkredite online zu vergeben, da sich der Kampf um einen digitalen Finanzmarkt von 1 Billionen Dollar verschärft. Bei dieser Art von Krediten handelt es sich um sofortige, vorab genehmigte Kredite, die direkt über Google Pay (vorher hieß die App in Indien Tez) in sekundenschnelle abgewickelt werden. Dabei wird dem Kunden/Nutzer Geld direkt auf das Bankkonto eingezahlt. “Wir haben gelernt, dass, wenn wir für Indien bauen, wir für die Welt bauen”, sagte Caesar Sengupta, Vice President von Googles Next Billion Users Initiative and Payments, am Dienstag auf der Veranstaltung ‘Google for India’ in Neu Delhi.

Aus Tez wird Google Pay in Indien

Die technologische Branche, die am stärksten wächst ist die Mobile. Und hier findet gerade ein Wettlauf der Internet-Giganten weltweit statt, von Facebook Inc.’s WhatsApp bis zu Jack Ma’s Ant Financial. Im Fokus: Online-Kreditvergabe. Es heißt mobile Nutzer würden nach Kleinkrediten mit minimalem Papierkram suchen. Für die Bonitätseinstufung werden Daten und Algorithmen zur Risikobestimmung verwendet.

Warren Buffet liebäugelt mit einem indischen Payment-Start Up

Aber das ist nicht alles. Der 28. August bietet noch eine weitere Schlagzeilen: Warren Buffetts ungewöhnlich riskante Wette in Indien – vom Handelsblatt. Eigentlich untypisch für Warren Buffett, aber der Großinvestor investiert in das Start-Up Paytm, ein indisches E-Commerce-Zahlungssystem und digitale Geldbörse. Vier Prozent Anteil hat nun Warren Buffet an der Firma – der Betrag dafür: 350 Millionen US Dollar. Ebenfalls an Paytm beteiligt: der chinesische Internetkonzern Alibaba und das japanische Telekommunikationsunternehmen Softbank.

Indiens Bargeldreform in 2016 rief viele E-Commerce Start Ups auf den Plan und Techgiganten. Sogar Uber mischt in Indien mit einem Bezahlsystem mit. Mittlerweile spricht man schon von einer Blasenbildung.

Uber Cash and digital wallets Indien

Indien erwägt eine eigene staatliche Digital-Währung

Beenden wir dem 28. August und springen über zum 30. August 2018. Coindesk schreibt: India Eyes State Digital Currency to Cut $90 Million Banknote Bill (Indien äugelt mit einer staatlichen digitalen Währung, um $90 Millionen der Banknotenrechnung zu kürzen). Indiens Zentralbank (RBI) erforscht, wie sie eine von der Rupie unterstützte digitale Zentralbankwährung (kurz: CBDC) in ihre Geldpolitik einführen kann, um ihre hohe Jahresrechnung für die Prägung von physischem Bargeld zu reduzieren. Die Bank würde damit auf eine sich schnell ändernde Landschaft digitaler Zahlungen und der steigenden Kosten des Handhabens von Papier-/Metallgeldes reagieren. Laut Angaben sollen sich diese 2018 auf fast 90 Millionen Dollar belaufen.

Wichtig: Indiens Zentralbank gab nicht preis, ob die potenzielle digitale Zentralbankwährung CBDC Blockchain-basiert sein könnte, behauptete aber, dass der Einsatz von Distributed-Ledger-Technologie (DLT) in Zahlungs- und Abwicklungslösungen in der Zukunft erhebliche wirtschaftliche Vorteile verspricht.

Blockchain super – Kryptos nein!

Des vollstens Lobes über DLT auf staatlicher Ebene, hat die RBI allerdings ihre Haltung gegenüber dem Krypto-Handel  erneut verschärft. Im Fokus stehen Transaktionen zwischen Einzelpersonen, sogenannter P2P-Handel.

Reaktionen bei Twitter liessen nicht lange auf sich warten.

Übersetzt in etwa: Ich hab’s gesagt: Aadhaar-System wird ihr neues Geldsystem sein. Identität = Geld 

Und auch Andreas M. Antonopoulos, einer der weltweit führenden Bitcoin- und Open-Blockchain-Experten meldete sich per Twitter zu Wort:

Übersetzt in etwa: Das ist unglaublich gefährlich: Zentralisiertes digitales Bargeld, unterstützt durch zentralisierte Identität, in einem Land, das gefährlichen Autoritarismus gezeigt hat, wenn es um die Währung geht. 1,3 Milliarden Dollar Menschen unter totalitärer Finanzkontrolle = Demokratie stirbt.

Fazit

Ob Indien in ferner Zukunft einmal ein weltweites Beispiel werden wird sit noch nicht absehbar. Nichtsdestotrotz würde ich jedem empfehlen die Entwicklungen in Indien nicht aus den Augen zu verlieren.

Titelbild: von Pixabay 🙂

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Responses

  1. DasVolk

    Die erste Versuche der Staaten einen fuss in die Krypto zu setzen sind schon erschreckend . Vor allem das sie es auch in Ländern tun welche sich in dieser Form auch kaum zu währen wissen , zeigt uns mal wieder wie die Nationen zusammen Arbeiten wenn sie sich bedroht füllen / Banken.
    Ein schöner Artikel , danke für die tolle Arbeit.

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